TM
03. Februar 2026
|
12 Min Lesedauer


Anna
Viele Marken wirken nicht deshalb austauschbar, weil ihnen Ideen fehlen – sondern weil jede Entscheidung in eine andere Richtung zeigt.
Markenarchetypen geben dir eine verständliche Sprache für Charakter, Ton und Verhalten – und damit einen roten Faden über Website, Social und Service.
Wir zeigen dir die 12 Archetypen als Landkarte, führen dich durch einen klaren Auswahlprozess und übersetzen das Ergebnis in konkrete Touchpoints.
Am Ende weißt du, welcher Archetyp dich trägt, welche Nuance erlaubt ist – und wie du Klischees vermeidest.
Archetypen
Markenidentitaet
Konsistenz
Vertrauen
Werte
Purpose
Tonalitaet
Design
Touchpoints
Umsetzung
Wir merken in Projekten oft schon im ersten Gespräch, ob eine Marke „eine Stimme“ hat. Nicht, weil die Texte perfekt sind. Sondern weil jede Entscheidung – ein Button-Text, ein Foto-Stil, eine Antwort im Support – in dieselbe Richtung kippt.
Wenn das nicht passiert, entsteht dieses diffuse Gefühl: Heute klingt die Marke wie ein guter Freund, morgen wie ein Behördenbrief, übermorgen wie ein Motivationsposter. Das ist keine Kleinigkeit. Denn Menschen kaufen nicht nur Funktionen. Sie kaufen ein Gefühl von Orientierung.
Dass Konsistenz dabei nicht nur „schön“ ist, zeigen auch Zahlen: Eine konsistente Markenpräsentation wird häufig mit bis zu 23 Prozent mehr Umsatz in Verbindung gebracht. Linearity Branding Statistics Und 71 Prozent kaufen eher, wenn sie eine Marke wiedererkennen. 15below Was wir daran spannend finden: Es geht nicht um Wiederholung als Selbstzweck, sondern um Wiedererkennbarkeit als Vertrauensabkürzung.
Genau hier sind Archetypen hilfreich. Sie sind eine Art gemeinsame Metapher, damit Teams dieselbe Vorstellung teilen, wer die Marke „ist“. Und sie sind besonders relevant, seit Marken an immer mehr Orten gleichzeitig stattfinden: Website, Newsletter, Social, Produkttexte, Chatbot, UI-Microcopy, Employer Branding. Du kannst überall senden – aber ohne Charakter sendest du überall etwas anderes.
Unser Blick als Digitalagentur: Der Archetyp ist nicht nur ein Branding-Tool, sondern ein UX-Tool. Wenn du weißt, welche Rolle du einnimmst, triffst du bessere Entscheidungen: Wie direkt darf die Sprache sein? Wie viel Führung braucht ein Formular? Wie „ruhig“ muss die Oberfläche sein, damit sie zur Marke passt? Das ist Markenarbeit, die sich im Interface zeigt – und dadurch wirklich wirkt.
Kurz: Archetypen sind gerade jetzt wichtig, weil sie aus vielen Touchpoints wieder eine zusammenhängende Erfahrung machen.
Archetypen funktionieren, weil sie an tief vertraute Rollen aus Geschichten anknüpfen: der Held, der Mentor, der Rebell, die Liebende. Du verstehst sie sofort – ohne ein einziges Chart. Das macht sie in der Markenarbeit so wertvoll.
Aber: Wir würden sie nie als Schablone benutzen. Dafür sind Marken zu lebendig. Deshalb unser Erwartungsmanagement, ganz bewusst: Archetypen sind ein Kompass, keine Verkleidung.
Was sie leisten: Sie geben dir eine Sprache für Persönlichkeit. Und Persönlichkeit ist die Brücke zwischen „Wofür stehen wir?“ und „Wie klingt/fühlt sich das an?“. Gerade wenn mehrere Menschen Inhalte erstellen (Marketing, HR, Sales, Product), verhindert ein Archetyp, dass jede Abteilung ihre eigene Mini-Marke baut.
Was sie nicht leisten: Sie ersetzen keine Positionierung, kein gutes Angebot und keine gelebten Werte. Wenn die Leistung wackelt oder die Wirkung unklar bleibt, rettet auch der sauberste Archetyp nichts. Und sie sind nicht „wissenschaftlich wasserdicht“ im Sinne eines psychometrischen Tests. Das Modell ist in der Markenpraxis vor allem durch Mark & Pearson bekannt geworden ("The Hero and the Outlaw", 2001) und wird genutzt, weil es verständlich ist – nicht, weil es ein Naturgesetz wäre.
Wir nehmen auch die Kritik ernst, dass Archetypen manchmal als „Marketing-Horoskop“ abgetan werden. klaremarke.studio In unserer Erfahrung passiert das vor allem dann, wenn Teams den Archetyp als Etikett wählen („Wir sind halt der Magier“) – ohne zu klären, was das im Alltag bedeutet.
Unsere Geheimzutat (die wir immer wieder anwenden): Wir koppeln den Archetyp an Entscheidungen. Ein Archetyp ist erst dann gut gewählt, wenn er dir in echten Situationen hilft: Welche Bilder nutzen wir? Wie reagieren wir auf Kritik? Wie klingt ein Preismodell? Wie sieht eine Startseite aus?
Wenn du das ernst nimmst, wird aus einem hübschen Framework ein praktisches Werkzeug. Und wenn nicht, bleibt es bei netten Beschreibungen – die niemand im Team morgen noch nutzt.


Wenn du die 12 Archetypen zum ersten Mal siehst, wirkt es schnell wie ein Set Sammelkarten. Unser Tipp: Denk nicht in „richtig/falsch“, sondern in Spannungsfeldern. Viele Entscheidungen im Branding sind letztlich Entscheidungen zwischen Sicherheit und Freiheit, zwischen Nähe und Distanz, zwischen Ordnung und Spiel.
Für die Orientierung hilft eine einfache Landkarte (ohne dich mit Details zu erschlagen):
1) Stabilität und Vertrauen: Unschuldiger, Jedermann, Betreuer, Herrscher.
2) Freiheit und Selbstbestimmung: Entdecker, Rebell.
3) Wachstum und Leistung: Held, Schöpfer.
4) Sinn und Erkenntnis: Weiser, Magier.
5) Beziehung und Genuss: Liebender.
6) Leichtigkeit und Humor: Narr.
Das ist keine offizielle Einteilung, sondern eine Arbeitsweise, die sich bei uns bewährt hat: Du erkennst schneller, welche Grundsehnsucht deine Marke bedient.
Damit du ein Gefühl bekommst, wie sich die Archetypen im Markt „anfühlen“: Nike wird oft als Held gelesen, weil die Marke konsequent Überwindung und Stärke erzählt. Old Spice hat sich durch Humor neu erfunden und ist ein Beispiel für den Narr – mit messbarer Wirkung: Der Umsatz verdoppelte sich in den Monaten nach dem Repositioning. Weird Marketing Tales
Und dann gibt es Archetypen, die für Purpose Brands besonders spannend sind: Der Betreuer (Fürsorge, Verantwortung) oder der Rebell (Gegen den Status quo, aber mit Gewissen). Patagonia wird häufig genau so beschrieben – rebellisch in der Haltung, fürsorglich im Motiv.
Wichtig: Du musst hier noch nichts entscheiden. Der Schnellüberblick ist dazu da, dir einen inneren Abgleich zu ermöglichen. Wenn du beim Lesen merkst, dass zwei Archetypen dich sofort anziehen, ist das oft schon ein Hinweis: Einer ist dein Kern, der andere deine Nuance. Das klären wir gleich systematisch.


Wenn wir mit Teams über Archetypen sprechen, starten wir nie bei „Welche Rolle wäre cool?“. Wir starten bei dem, was bereits da ist: der DNA. Denn ein Archetyp, der nicht zur Kultur passt, wird später zum Kostüm – und Kostüme tragen sich im Alltag schlecht.
Unsere praxiserprobte Methode dafür nennen wir intern die Drei-Sätze-DNA. Du kannst sie sofort nutzen, ohne großes Setup:
1) „Wir existieren, damit …“ (dein Zweck jenseits des Produkts)
2) „Wir tun das, indem wir …“ (dein Stil, deine Prinzipien)
3) „Wir tun niemals …“ (deine Grenze, dein No-Go)
Diese drei Sätze klingen simpel, aber sie sind brutal ehrlich. Und sie machen Archetypen plötzlich greifbar. Beispiel aus unserer Arbeit: Wenn ein Team beim dritten Satz merkt, dass es niemals manipulativ, laut oder druckvoll sein will, fällt der Held in seiner aggressiven Ausprägung oft raus. Wenn dagegen „wir tun niemals halbherzig“ auftaucht, wird Leistung und Anspruch wahrscheinlicher.
Hier lohnt auch ein kurzer Blick auf Vertrauen: 81 Prozent der Menschen sagen, sie müssen einer Marke vertrauen, bevor sie kaufen. Linearity Branding Statistics Vertrauen entsteht nicht aus dem Archetypen-Label, sondern aus wiederholtem, stimmigem Verhalten. Genau deshalb ist DNA zuerst.
In der Praxis bedeutet das auch: Schreib nicht nur Werte auf, sondern verknüpfe sie mit Verhalten. „Nachhaltigkeit“ als Wort ist weich. „Wir reduzieren Datenvolumen und setzen auf minimalistisches Design, weil digitale Ressourcen real sind“ ist konkret – und passt bei uns als Pola direkt zu unseren Prinzipien.
Wenn du diese DNA sauber hast, wird Schritt 2 leichter. Denn dann suchst du nicht mehr „den besten Archetypen“, sondern den, der deine Wahrheit am klarsten erzählt.
Archetypen sind keine Selbstbeschreibung, die du dir ins Brandbook schreibst. Sie sind eine Beziehungsentscheidung: Welche Rolle nimmst du im Leben deiner Menschen ein?
Unsere zweite Methode ist deshalb eine Außenperspektive, die wir in digitalen Projekten ständig nutzen: die Momente-Map. Du skizzierst drei typische Momente, in denen jemand mit deiner Marke in Kontakt kommt: vor der Entscheidung, während der Nutzung, nach einem Problem.
Dann fragst du nicht „Was wollen sie?“, sondern „Was fühlen sie?“ und „Wovor haben sie Angst?“. Genau dort entstehen Archetypen.
Wenn Menschen vor dem Kauf unsicher sind, ob sie überfordert werden (zum Beispiel bei komplexer Software oder bei einem Bildungsangebot), ist die Sehnsucht oft Orientierung. Das zieht Richtung Weiser oder Betreuer.
Wenn Menschen während der Nutzung Ermutigung brauchen, weil es um Leistung oder Veränderung geht, wird Held oder Magier plausibler.
Und wenn Menschen nach einem Problem vor allem respektvoll behandelt werden wollen, ist „wie wir reagieren“ oft wichtiger als „was wir sagen“. Das ist der Moment, in dem Archetypen zu UX werden: Ein Betreuer zeigt Empathie und führt behutsam. Ein Herrscher bleibt souverän und klar. Ein Narr löst Spannung mit Wärme und Witz – aber nur, wenn es wirklich passt.
Dass diese emotionale Passung wirtschaftlich relevant ist, sehen wir auch in Purpose-Zahlen: Konsument:innen kaufen deutlich häufiger von Marken, deren Zweck sie als stark wahrnehmen, und verteidigen sie eher in Krisen. Kickstartmag über Zeno Group (2020) Purpose ist dabei keine Behauptung, sondern ein Beziehungsangebot. Archetypen helfen, dieses Angebot verständlich zu machen.
Wenn du die Momente-Map ernst nimmst, schützt sie dich vor Wunschbildern. Vielleicht willst du rebellisch wirken, aber deine Zielgruppe sucht Geborgenheit. Dann kannst du immer noch mutig sein – nur eben als „Beschützer mit Haltung“, nicht als „Krawall“. Genau diese Nuancen machen Marken glaubwürdig.
Willst du deinen Archetyp klar ziehen, ohne Klischees?


Der dritte Schritt klingt nüchtern, ist aber oft der Moment, in dem aus „guter“ Markenarbeit plötzlich „präzise“ Markenarbeit wird: Wie spricht deine Kategorie? Und wo willst du bewusst anders sein?
Wir gehen dabei nicht mit einer großen Excel-Schlacht rein. Wir nutzen eine einfache Linse: Category Codes. Jede Branche hat wiederkehrende Muster in Sprache, Bildwelt und Versprechen. In FinTech ist es oft „Sicherheit plus Innovation“. In nachhaltigen Konsumgütern häufig „Reinheit plus Verantwortung“. Das Problem: Wenn alle dieselben Codes bedienen, wird dein Auftritt zwar verständlich – aber austauschbar.
Hier entsteht ein frischer Blickwinkel, den wir in Branding- und Webprojekten immer wieder sehen: Archetypen sind nicht nur „Charakter“. Sie sind auch Differenzierungsstrategie.
Ein Beispiel: Wenn alle Anbieter in deiner Nische wie Weiser klingen (viel Expertise, viel Erklärung), kann ein Jedermann-Archetyp plötzlich zur Befreiung werden: weniger Fachsprache, mehr Nähe, mehr „Wir sind auch nur Menschen“. Oder umgekehrt: Wenn die Kategorie sehr verspielt ist, kann ein ruhiger Weiser dein Vorteil sein.
Dabei geht es nicht um Provokation. Es geht um Klarheit. Und Klarheit reduziert Reibung – besonders digital. In einer Website-Struktur zeigt sich das sofort: Nutzt die Konkurrenz lange Texte, weil niemand den Mut hat, zu fokussieren? Dann ist ein Archetyp, der für Einfachheit steht (Unschuldiger, Jedermann), nicht nur „ein Stil“, sondern eine produktive Entscheidung.
Und noch ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Konkurrenz heißt nicht nur andere Marken, sondern auch andere Inhalte. Wenn deine Zielgruppe täglich 100 Dinge sieht, musst du mit einem wiedererkennbaren Muster auftauchen. Dass Wiedererkennung Kauf wahrscheinlicher macht, wurde in Markenstudien immer wieder gezeigt. 15below
Unser Rat: Nutze diesen Schritt, um eine bewusste Position zu wählen – nicht als Abgrenzung um der Abgrenzung willen, sondern als Einladung: „So fühlt sich unsere Welt an. Wenn das zu dir passt, wirst du uns sofort erkennen.“
Jetzt kommt die Entscheidung. Und ja: Wir finden es völlig normal, wenn zwei Archetypen stark wirken. Marken sind nicht eindimensional. Aber wir haben gelernt: Zu viele Anteile machen dich unsichtbar, weil niemand mehr den Charakter greifen kann.
Unsere Regel lautet deshalb: ein Core, eine Nuance.
Der Core ist der Archetyp, der deine wichtigsten Entscheidungen trägt – Sprache, visuelle Richtung, Umgang mit Kritik. Der Secondary ist wie eine zweite Farbe im Designsystem: Sie darf Akzente setzen, aber sie übernimmt nicht die Führung.
Wie wählst du praktisch?
Erstens: Der Core muss mit deiner DNA aus Schritt 1 kompatibel sein. Wenn du „wir tun niemals laut“ als Grenze hast, wird ein Narr-Core schwierig.
Zweitens: Der Core muss zu den Zielgruppenmomenten aus Schritt 2 passen. Wenn die wichtigste Emotion in deinen drei Momenten „Sicherheit“ ist, wird Entdecker als Core schnell anstrengend.
Drittens: Der Core muss in deiner Kategorie eine klare Rolle spielen. Wenn er dich in ein Meer aus Gleichklang wirft, nimm ihn nur, wenn du ihn wirklich außergewöhnlich ausfüllen kannst.
Hier ein typisches Beispiel, das wir oft erklären: Viele Tech-Marken wollen Magier sein, weil „Innovation“ verführerisch ist. Magier funktioniert aber nur, wenn du Transformation beweisen kannst. Sonst wirkt es wie große Worte ohne Wirkung.
Mit Secondary-Archetypen wird es interessant, wenn du Purpose hast. Patagonia wird häufig als Rebell gelesen – aber ohne den Betreuer-Anteil (Fürsorge, Reparatur, Verantwortung) wäre es bloß Kante. Genau diese Mischung macht Glaubwürdigkeit.
Wenn du das dokumentieren willst, empfehlen wir ein kurzes Artefakt im Team, zum Beispiel in einem Notion-Dokument oder direkt in eurem Brandguide: „Core-Archetyp“, „Secondary-Archetyp“, „Drei Do’s“, „Drei Don’ts“. Das klingt banal – aber es verhindert, dass dein Archetyp nur in Köpfen lebt.
Und noch etwas Beruhigendes: Du darfst später nachjustieren. Archetypen sind kein Tattoo. Aber du solltest ihnen Zeit geben, Wirkung zu entfalten – sonst wechselst du nur den Ton, nie die Substanz.


Ein Archetyp ist erst dann „real“, wenn er sich in Details zeigt. Genau da wird es für uns als Pola spannend, weil wir Marken oft nicht nur als Präsentation sehen, sondern als Erlebnis.
Wir übersetzen den Archetyp deshalb immer in drei Ebenen: Tonalität, Design, Verhalten.
Bei der Tonalität geht es nicht um hübsche Adjektive, sondern um wiederholbare Regeln. Ein Weiser spricht klar, ruhig, belegt Aussagen. Ein Rebell stellt Gegenfragen und bricht Erwartungen. Ein Betreuer nimmt Sorgen ernst und klingt nie herablassend. Wenn du dafür Unterstützung brauchst, helfen Tools wie Frontify oder ein leichter Brand-Voice-Baukasten in Figma/Notion, damit Teams wirklich damit arbeiten.
Im Design wird der Archetyp sichtbar, bevor ein Wort gelesen wird. Hier kommt unser nachhaltiger Blick dazu: Ein minimalistisches, ressourcenschonendes Interface kann nicht nur CO₂ sparen, sondern auch eine Haltung ausdrücken. Ein Unschuldiger wirkt oft besser mit Klarheit, viel Luft, ehrlicher Bildwelt. Ein Herrscher braucht Ordnung, Ruhe, Wertigkeit. Ein Narr darf mutiger sein, aber er muss trotzdem benutzbar bleiben.
Und dann das Verhalten: Wie fühlt es sich an, Kunde zu sein? Wie schnell, wie empathisch, wie transparent antwortet ihr? Diese Ebene entscheidet, ob 81 Prozent Vertrauen wirklich aufbauen – oder ob es beim Wunsch bleibt. Linearity Branding Statistics
Ein frischer Blickwinkel, den wir in 2026 besonders relevant finden: KI und Automatisierung machen Kommunikation schneller – aber auch beliebiger. Wenn du mit KI Textvarianten erstellst, brauchst du umso mehr Leitplanken. Ein Archetyp kann diese Leitplanken liefern, aber nur, wenn du ihn konkret formulierst: Wortfelder, Tabus, Satzlänge, Humorgrad. Sonst produziert dir die KI „irgendwie freundlich“.
Wenn du den Archetyp konsequent umsetzt, passiert etwas Schönes: Entscheidungen werden ruhiger. Nicht, weil alles gleich wird, sondern weil es eine innere Logik gibt. Und genau diese Logik spüren Menschen – auf der Website, im Produkt und im Kontakt mit euch.
Purpose ist ein großes Wort. Und genau deshalb ist es so leicht, daran zu scheitern.
Wir erleben bei werteorientierten Marken eine wiederkehrende Spannung: Du willst ambitioniert erzählen, weil du wirklich etwas verändern willst. Gleichzeitig darfst du nicht größer klingen als dein Handeln.
Hier hilft der Archetyp auf eine Weise, die viele Artikel nicht aussprechen: Er kann Purpose übersetzen, ohne ihn aufzublasen. Ein Betreuer muss nicht „die Welt retten“ behaupten. Er kann leise zeigen, wie er Verantwortung übernimmt: faire Lieferketten, transparenter Support, klare Sprache. Ein Rebell muss nicht immer schreien – er kann präzise gegen einen Missstand handeln und das sichtbar machen.
Dass Purpose messbar mit Loyalität zusammenhängt, ist gut belegt: Konsument:innen sind bei Marken mit stark wahrgenommenem Purpose deutlich eher bereit zu kaufen, zu empfehlen und die Marke in Krisen zu verteidigen. Kickstartmag über Zeno Group (2020)
Aber der entscheidende Satz steht für uns zwischen den Zeilen: „wahrgenommen“. Wahrnehmung entsteht aus wiederholten Beweisen.
Unser dritter frischer Blickwinkel: Purpose braucht ein Prüfprotokoll über Touchpoints, nicht nur eine Mission auf der About-Seite. Wir fragen bei Relaunches deshalb ganz konkret: Wo wird Purpose erlebbar? Im Checkout? In der Art, wie ihr Fehler kommuniziert? In der Energie, die eure Website verbraucht, weil ihr riesige Videos autoplayt – oder eben nicht?
Archetypen helfen, diese Beweise konsistent zu erzählen. Aber sie sind auch ein Spiegel: Wenn du dich als Betreuer inszenierst und gleichzeitig dein Support unnahbar ist, entsteht ein Bruch. Und Brüche sind der Nährboden für Greenwashing-Vorwürfe.
Wenn du Purpose ernst meinst, ist das gute Nachricht: Du musst keine lautere Geschichte erfinden. Du musst eine stimmige Geschichte bauen, die zu deinem Verhalten passt. Archetypen sind dafür ein solides Gerüst.
Brauchst du Hilfe bei Ton, Design und Brandguide?


Die häufigsten Probleme mit Archetypen sind nicht „falsches Modell“, sondern falsche Anwendung.
Erstens: Klischee. Wenn ein Rebell nur aus Provokation besteht oder ein Weiser nur aus langen Texten, wird es schnell flach. Unser Gegengift ist simpel: Formuliere deinen Archetyp als eigene Figur. Nicht „der Magier“, sondern „der Magier, der verständlich bleibt“. Nicht „der Herrscher“, sondern „der Herrscher, der Verantwortung übernimmt“.
Zweitens: Inkonsistenz. Viele Teams definieren den Archetyp – und vergessen ihn beim nächsten Sprint. Hier hilft ein Qualitätscheck, den du regelmäßig machen kannst, zum Beispiel einmal pro Quartal:
1) Nimm fünf aktuelle Touchpoints (Startseite, Newsletter, Social Post, Support-Mail, Produktseite).
2) Markiere, was sich nach deinem Core-Archetyp anfühlt.
3) Markiere, was dagegen arbeitet.
4) Entscheide eine konkrete Korrektur für den nächsten Monat.
Das ist kein großes Audit, eher ein kurzer Realitätsabgleich.
Drittens: Wunschbild statt Wahrheit. Wenn Führungskräfte einen Archetyp „bestellen“, der nicht zur Kultur passt, entstehen die schlimmsten Brüche. Dann wird die Website „warm und nahbar“, während Sales kalt drückt. Oder der Purpose klingt riesig, aber niemand kann erklären, was er im Alltag bedeutet.
Viertens: Zu viele Mischungen. Wir sagen es ungern so deutlich, aber es ist wahr: Wenn du drei oder vier Archetypen gleichzeitig spielen willst, wird es beliebig. Du wirst überall ein bisschen richtig sein – und nirgends erinnerbar.
Und dann gibt es noch einen digitalen Sonderfall: die „KI-Kopie“. Wenn du Texte, Social Captions oder Support-Antworten automatisierst, ohne eine klare Brand Voice, entsteht Einheitsbrei. Deshalb empfehlen wir, zumindest eine kleine, schriftliche Archetyp-Übersetzung zu pflegen (Do’s/Don’ts, Wortfelder, Beispiele) und sie dort abzulegen, wo das Team arbeitet.
Wenn du diese Fallstricke kennst, wird das Modell nicht enger, sondern freier. Weil du nicht ständig neu erfinden musst, wer du bist – du kannst dich darauf konzentrieren, es besser umzusetzen.
Ein Archetyp-Wechsel wirkt immer wie ein großer Sprung. In Wahrheit ist er oft eine Reihe kleiner, konsequenter Entscheidungen.
Old Spice ist dafür ein gutes, leicht verständliches Beispiel: Die Marke war lange eher „brav“ und wirkte zunehmend wie ein Produkt für ältere Generationen. Dann kam der Wechsel hin zum Narr – nicht als einmaliger Gag, sondern als neue Identität. Die Kampagne wurde viral, und in der Folge verdoppelte sich der Umsatz innerhalb von sechs Monaten. Weird Marketing Tales
Was wir daraus für die Praxis mitnehmen – auch für kleinere Marken: Der Wechsel funktioniert nicht, weil jemand ein neues Etikett gewählt hat. Er funktioniert, weil drei Dinge zusammengekommen sind.
Erstens: ein klarer Trigger. Old Spice brauchte Verjüngung und Aufmerksamkeit.
Zweitens: eine konsequente Übersetzung. Humor war nicht nur in der TV-Werbung, sondern auch in Social, in Tonalität, in der Übertreibung der Bildwelt.
Drittens: ein messbarer Abgleich. Umsatz ist ein harter Indikator. Aber es gab auch weiche Signale: Gesprächswert, Meme-Kultur, Wiedererkennbarkeit.
Übertragen auf deine Marke heißt das: Wenn du einen Archetyp verändern willst, brauchst du eine saubere Übergangslogik. Wir empfehlen dabei, nicht alles gleichzeitig zu drehen. Fang dort an, wo Menschen dich am stärksten erleben: der Website-Einstieg, das Produkt, der Support. Wenn diese drei Punkte stimmig sind, darf Social nachziehen.
Und wenn du lieber evolutionär statt radikal vorgehst: Wähle keinen komplett gegensätzlichen Archetyp, sondern eine Nachbarschaft. Ein Weiser kann Richtung Magier wachsen, wenn du mehr Transformation zeigen willst. Ein Jedermann kann Richtung Betreuer wachsen, wenn Fürsorge stärker werden soll.
Am Ende zählt nicht, ob dein Archetyp spektakulär klingt. Sondern ob er dir hilft, als Marke verlässlicher, greifbarer und menschlicher zu werden. Das ist die Wirkung, die bleibt.
Antworten zu Auswahl, Mischung, Umsetzung, Messung und Zeitbedarf.
Schreib uns eine Nachricht oder buche direkt ein unverbindliches Erstgespräch – wir freuen uns darauf, dich und dein Projekt kennenzulernen.
Anna Stubbe
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