TM
12. Februar 2026
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9 Min Lesedauer


Anna
Du hast Brand Guidelines, Vorlagen, vielleicht sogar eine Komponentenbibliothek – und trotzdem wirkt jeder neue Touchpoint ein bisschen anders.
In dieser Story trennen wir sauber: Was leistet ein Markenhandbuch, was leistet ein Designsystem – und warum du in der Praxis oft beides brauchst.
Am Ende hast du einen Entscheidungsrahmen, wie du mit deinem Team vom „Wir sollten konsistenter sein“ zu „So machen wir’s ab morgen“ kommst.
Brand guidelines
tone
logo
values
messaging
examples
Components
tokens
patterns
accessibility
governance
documentation
Wir erleben das regelmäßig: Ein Team sagt „Wir haben doch schon ein Designsystem“, zeigt aber ein PDF mit Logo-Regeln. Oder umgekehrt: Es gibt eine Figma-Library mit Buttons, aber niemand kann beantworten, wofür die Marke eigentlich steht – außer „modern“.
Die Verwechslung kommt nicht daher, dass Menschen ungenau sind. Sie entsteht, weil sich Markenarbeit und Produktarbeit im Alltag überlappen. Marketing baut Landingpages, Product baut Features, HR baut Recruiting-Seiten. Alle nutzen ähnliche Tools, alle brauchen „Design“, und am Ende heißen unterschiedliche Dinge plötzlich gleich.
Dazu kommt: Software hat Markenarbeit verändert. Früher konntest du vieles über ein einmaliges Print-Manual lösen. Heute ist fast jeder Markenkontakt ein digitales Interface – und Interfaces bestehen aus wiederverwendbaren Bausteinen. Das klingt nach Designsystem. Gleichzeitig braucht ein digitales Produkt eine klare Stimme, Werte, Beispiele für Bildsprache und Tonalität. Das klingt nach Markenhandbuch.
Unser frischer Blickwinkel Nummer eins ist deshalb: Nicht die Artefakte sind das Problem, sondern die fehlende Übersetzung zwischen ihnen. Ein Markenhandbuch ohne Anschluss an UI-Entscheidungen bleibt „schön, aber weit weg“. Ein Designsystem ohne Markenprinzipien wird „sauber, aber beliebig“.
In der Praxis zeigt sich das an kleinen, teuren Reibungen: fünf leicht unterschiedliche Grüntöne, drei Varianten derselben Formulierung, unterschiedliche Abstände, die sich im Code nicht decken. Jede einzelne Abweichung wirkt harmlos, zusammen kostet sie Zeit, erzeugt Diskussionen und macht eure Marke leiser.
Damit du das sauber sortieren kannst, nutzen wir bei Pola oft eine einfache Denkfigur: Marke beantwortet „Warum und wie klingen wir?“, System beantwortet „Wie bauen wir es immer wieder richtig?“ Ab hier wird es klarer – und plötzlich lassen sich Entscheidungen treffen, ohne jedes Mal bei Null zu beginnen.


Ein Markenhandbuch (oft auch Brand Guidelines oder Brand Guide) ist die Leitplanke für Identität und Ausdruck. Es beantwortet die Fragen, die sonst in jedem Projekt wieder auftauchen: Wer sind wir? Wie wirken wir? Wie sprechen wir? Und woran erkennt man uns – auch wenn Logo und Farben gerade nicht prominent sind?
Wenn du dir eine Marke wie eine Person vorstellst, ist das Markenhandbuch nicht ihr Kleiderschrank, sondern ihr Charakterprofil. Es beschreibt Haltung, Ton, Bildwelt, typografische Stimmung und die Regeln, die verhindern, dass die Marke bei jedem neuen Touchpoint „in eine andere Rolle“ rutscht.
Wir sehen Markenhandbücher besonders dann hilfreich, wenn mehrere Menschen Inhalte erstellen: Social Media, Website, PR, Partnerschaften, Sales, Recruiting. Ohne gemeinsame Sprache entstehen sonst Mikro-Abweichungen, die sich schnell wie ein „Patchwork“ anfühlen.
Unser zweiter frischer Blickwinkel ist: Ein gutes Markenhandbuch ist nicht primär ein Regelwerk, sondern ein Entscheidungswerkzeug. Es sollte nicht nur sagen, was verboten ist, sondern zeigen, wie du in neuen Situationen zu einer passenden Lösung kommst.
Dafür nutzen wir in Projekten gern eine Methode, die wir intern „Drei Ebenen der Klarheit“ nennen:
1) Prinzipien: kurze Sätze, die die Marke führen (z. B. „Wir erklären ohne zu belehren“).
2) Beispiele: vorher-nachher, gute und schlechte Anwendungen, echte Textbausteine.
3) Grenzen: wo die Marke bewusst nicht mitgeht (z. B. keine ironische Tonalität, keine stockigen Phrasen).
Warum das wirkt? Weil Teams selten an fehlenden Regeln scheitern – sondern an fehlenden Beispielen. Ein PDF mit Farbcodes ist schnell gemacht. Aber die schwierigen Fragen liegen woanders: Wie klingt eine Fehlermeldung? Wie sieht ein Diagramm aus? Wie sprechen wir über Preise, ohne uns zu verstecken? Genau dort bringt ein Markenhandbuch Ruhe in die täglichen Entscheidungen.
Und ja: Es darf schön sein. Aber seine eigentliche Aufgabe ist, dass du es im Alltag wirklich aufschlägst – oder noch besser: dass es digital so zugänglich ist, dass es ganz selbstverständlich Teil eures Workflows wird.
Wenn Teams „Markenhandbuch“ sagen, meinen sie oft: Logo, Farben, Typo – fertig. Das ist der sichtbare Teil, aber nicht der Teil, der dir in echten Situationen hilft.
In unserer Praxis bei Pola ist ein Markenhandbuch dann gut, wenn es visuelle und verbale Identität zusammenbringt. Denn digitale Erlebnisse bestehen nicht nur aus Gestaltung, sondern aus Sprache: Button-Texte, Microcopy, Fehlermeldungen, Bestätigungen, Onboarding, Formulare. Wenn diese Sprache nicht geführt wird, wirkt selbst das beste UI plötzlich kalt oder beliebig.
Ein hilfreicher Inhalt ist deshalb nicht „Primärfarbe: Grün“, sondern eher: Welche Funktion hat Grün bei uns? Steht es für Zuversicht, für Natur, für Klarheit? Und wie weit darf der Kontrast gehen, damit es auf Screens barrierearm bleibt? Hier berühren sich Markenhandbuch und Accessibility. Seit die Anforderungen an digitale Barrierefreiheit in Europa praktisch spürbar in Projekten angekommen sind, reicht „sieht gut aus“ eben nicht mehr – es muss auch funktionieren.
Unser erstes Praxismodell, das in vielen Projekten überraschend schnell Ordnung schafft, nennen wir „Momente statt Medien“. Wir strukturieren Guidelines nicht nach Kanälen („Print“, „Social“, „Web“), sondern nach Situationen, in denen Menschen euch erleben:
So entsteht ein Markenhandbuch, das nicht an der Medienlandschaft hängt, die sich ständig ändert, sondern an menschlichen Bedürfnissen, die bleiben.
Ein weiterer Punkt, den viele übersehen: Beispiele sind Teil des Systems. Zeig echte Landingpage-Heroes, echte LinkedIn-Posts, echte UI-Screens. Nicht als Galerie, sondern mit Kommentaren: Warum ist das gut? Welche Regel greift hier? Was wäre die häufige Fehlinterpretation?
Wenn du diese Art von Markenhandbuch hast, wird es zur gemeinsamen Referenz – nicht zur PDF-Datei, die nach dem Launch in einem Ordner verschwindet.
Du willst Klarheit, ob euer Brandguide alltagstauglich ist?


Ein Designsystem ist das, was passiert, wenn du Konsistenz nicht mehr „hoffen“ willst, sondern baubar machst. Es ist die gemeinsame Grundlage, damit Design und Entwicklung dieselbe Sprache sprechen – und damit neue Seiten, Features und Flows nicht jedes Mal neu erfunden werden.
Wichtig: Ein Designsystem ist nicht automatisch eine Figma-Library. Eine Library ist ein Teil davon. Ein System entsteht erst, wenn Regeln, Komponenten und technische Umsetzung zusammenarbeiten.
Unser dritter frischer Blickwinkel ist: Ein Designsystem ist ein Qualitätsversprechen an euer eigenes Team. Nicht an die Außenwelt. Es reduziert Entscheidungsstress („Wie groß ist ein Button hier?“), verhindert Drift („Warum sieht das Modal anders aus?“) und macht Barrierefreiheit, Performance und Konsistenz wiederholbar.
In der Praxis sehen wir oft zwei typische Startpunkte:
Erstens: Ein Produkt wächst. Mehr Features, mehr Teams, mehr Releases. Ohne System entsteht eine UI, die zwar irgendwie funktioniert, aber immer mehr Sonderfälle kennt. Jede neue Komponente kostet dann nicht nur Designzeit, sondern auch Review-Zeit, QA-Zeit und Diskussionen.
Zweitens: Eine Marke wächst in digitale Kanäle hinein. Plötzlich gibt es nicht nur eine Website, sondern auch ein Portal, eine App, ein Dashboard, vielleicht einen Shop. Hier hilft ein Designsystem, weil es Wiederholung standardisiert.
Und hier kommt unsere zweite Methode ins Spiel, die wir häufig nutzen, um Systeme pragmatisch aufzusetzen: „Minimum Lovable System“. Nicht maximal, sondern minimal – aber so, dass es gern verwendet wird.
Wir starten dabei nicht mit „allen Komponenten“, sondern mit den wenigen, die wirklich überall auftauchen: Typografie-Skala, Spacing, Farben als Tokens, Buttons, Inputs, Navigation, Feedback-Komponenten. Sobald diese Bausteine stabil sind, wächst das System entlang realer Produktarbeit. Das verhindert ein monatelanges „System-Projekt“, das am Ende niemand pflegt.
Wenn du dich fragst, wo das Ganze lebt: Häufig in einer Kombination aus Design (z. B. Figma), Dokumentation (z. B. Storybook oder Zeroheight) und Code. Entscheidend ist weniger das Tool als die Verbindlichkeit: Wo ist die Quelle der Wahrheit, und wer entscheidet, wenn es knirscht?
Wenn du ein Designsystem nur als Komponentenliste denkst, fehlt dir das, was es stabil macht. Ein reines „UI-Kit“ ist schnell erstellt, aber es verhindert nicht, dass Teams es unterschiedlich interpretieren. Ein System braucht eine innere Logik.
Im Kern besteht ein Designsystem aus drei Ebenen, die sich gegenseitig absichern:
Erstens: Design Tokens. Das sind die kleinsten Bausteine wie Farben, Abstände, Schriftgrößen, Radien, Schatten – als benannte Werte, die in Design und Code identisch genutzt werden. Tokens sind die Stelle, an der Marke und Technik sich berühren: „Primary 600“ ist nicht nur ein Farbwert, sondern eine Entscheidung darüber, wie kräftig eure Marke im Interface spricht.
Zweitens: Komponenten. Buttons, Inputs, Cards, Modals. Hier geht es nicht nur um Aussehen, sondern um Zustände (Hover, Disabled, Error), Verhalten und Accessibility. Wenn ihr hier sauber arbeitet, spart ihr nicht nur Designzeit, sondern verhindert auch, dass jede:r Entwickler:in eigene Varianten baut.
Drittens: Patterns und Regeln. Das sind wiederkehrende Lösungen für echte Probleme: Formulare, Tabellen, Filter, Checkout, Onboarding, Empty States. Patterns sind der Teil, der Produktqualität wirklich beeinflusst, weil er Nutzerführung standardisiert.
Was viele unterschätzen, ist die Dokumentation als „Viertes im Bunde“. Sie ist nicht Deko, sondern die Brücke. Ohne Dokumentation wissen Teams nicht, wann sie welche Komponente nutzen sollen, welche Ausnahmen okay sind und welche nicht.
Hier kommt unser Praxisprinzip „Source of Truth zuerst“: Wir legen früh fest, wo etwas entschieden wird.
Wenn du das nicht festlegst, gewinnt immer der schnellste Kanal – meist ein Screenshot im Chat.
Und weil Pola viel für Purpose-orientierte Teams arbeitet, schauen wir zusätzlich auf einen Punkt, der in vielen Systemen zu kurz kommt: Nachhaltigkeit im Interface. Weniger Komplexität bedeutet oft weniger Overhead, weniger unnötige Varianten, weniger Medienballast. Das ist nicht mit einer Zahl aus einer Studie belegt, sondern unsere Projekterfahrung: Systeme, die minimal starten und sauber wachsen, sind nicht nur leichter zu pflegen, sondern führen oft auch zu schlankeren Frontends.
Ein Designsystem ist damit nicht „Design“. Es ist eine Vereinbarung, wie ihr digital baut.


Der sauberste Unterschied ist simpel: Ein Markenhandbuch beschreibt, wie ihr seid. Ein Designsystem sorgt dafür, dass es überall gleich umgesetzt werden kann.
Im Alltag heißt das: Das Markenhandbuch richtet sich oft an Kommunikation, Marketing, Content, Partnerschaften – und zunehmend an Produktteams, wenn Sprache und UI zusammenwachsen. Das Designsystem richtet sich an Designer:innen und Entwickler:innen, an alle, die Interfaces bauen.
Der Scope ist ebenfalls anders. Ein Markenhandbuch umfasst häufig auch Dinge, die nie im UI auftauchen: Fotostil, Illustrationen, Tonalität in PR, Claims, Narrative. Ein Designsystem hingegen bleibt in der Regel innerhalb digitaler Produkte und Websites: Layoutprinzipien, Komponenten, Patterns, Zustände.
Und dann ist da der Update-Rhythmus. Ein Markenhandbuch ändert sich selten wöchentlich. Es kann Jahre stabil bleiben, mit gelegentlichen Updates. Ein Designsystem lebt dagegen näher am Produkt: Neue Features bringen neue Patterns, Bugfixes verändern Komponenten, Accessibility-Verbesserungen müssen eingepflegt werden.
Was uns in Projekten hilft, ist eine kleine Diagnosefrage, die du sofort nutzen kannst: Wenn du eine Entscheidung triffst – ist das eine Aussage über Identität oder über Umsetzung?
„Wir duzen unsere Nutzer:innen und schreiben klar“ ist Identität. Markenhandbuch.
„Ein Primary Button hat immer eine Mindesthöhe von X und klare Fokus-States“ ist Umsetzung. Designsystem.
Der häufigste Fehler ist, beides in ein Dokument zu pressen. Dann wird das Markenhandbuch zu technisch und verliert alle, die Content machen. Oder das Designsystem wird zu „brandig“ und niemand weiß, was im Code wirklich gilt.
Ein zweiter Fehler ist die falsche Reihenfolge. Manche Teams bauen zuerst ein riesiges Designsystem, obwohl die Marke noch nicht klar ist. Das führt zu einer sehr konsistenten Oberfläche, die sich trotzdem austauschbar anfühlt. Andere Teams perfektionieren ein Markenhandbuch, aber bauen Webseiten und Produktteile jedes Mal neu. Das führt zu einer starken Marke auf Papier – und zu Chaos im UI.
Wenn du merkst, dass ihr ständig über „Geschmack“ diskutiert, fehlt euch oft Marken-Klarheit. Wenn ihr ständig über „Details“ diskutiert, fehlt euch oft System-Klarheit.
Beides zu trennen ist kein Formalismus. Es ist eine Entlastung.
Selbst das beste Markenhandbuch und das sauberste Designsystem verlieren ihren Wert, wenn niemand verantwortlich ist. Konsistenz ist kein Zustand. Sie ist Pflege.
In vielen Organisationen ist Ownership historisch gewachsen: Brand liegt im Marketing, UI liegt im Produkt, Code liegt in der Entwicklung. Das ist normal. Problematisch wird es, wenn es keine gemeinsame „Übersetzungszone“ gibt. Dann entscheidet Marketing Farben in einem Rebranding, während das Produktteam Tokens nicht anfasst, weil „zu riskant“. Oder das Produktteam baut neue Komponenten, die nicht zur Tonalität passen, weil Sprache nie Teil des Systems war.
Was wir bei Pola deshalb früh etablieren, ist eine einfache Governance, die nicht nach Bürokratie klingt. Unser Ansatz heißt „Zwei Türen, eine Quelle“:
Die erste Tür ist Brand-Entscheidung: Was ist identitätsprägend? Tonalität, Bildwelt, Kernprinzipien, Markenfarben in ihrer Bedeutung.
Die zweite Tür ist System-Entscheidung: Was muss für Qualität, Accessibility und Wiederverwendbarkeit gelten? Tokens, Komponenten-APIs, Patterns.
Beide Türen führen zur gleichen Quelle der Wahrheit: Dokumentation, die eindeutig sagt, was gilt und seit wann.
Ganz praktisch: Wir arbeiten gern mit Versionierung wie bei Software. Ein Designsystem ist selten „fertig“, aber es kann Releases haben. Schon eine simple Semantik wie „v1.2: neue Input-States, v1.3: verbessertes Fokus-Handling“ sorgt dafür, dass Teams Änderungen nachvollziehen können.
Tooling hilft, aber ersetzt keine Verantwortung. Als Kombination sehen wir oft:
Und hier kommt der Punkt, der selten offen gesagt wird: Governance muss zu eurer Teamgröße passen. Ein Zwei-Personen-Team braucht kein Komitee. Es braucht eine klare Regel: Wer entscheidet im Zweifel, und wo wird es dokumentiert?
Wenn du einen Start suchst, nimm diese Mini-Vereinbarung mit: „Keine neue Komponente ohne Doku. Keine neue Brand-Regel ohne Beispiel.“ Das klingt klein, ist aber oft der Unterschied zwischen einem System, das lebt, und einem System, das langsam zerfällt.
Du willst wissen, was euch als Nächstes wirklich hilft?


Die ehrliche Antwort ist: Es hängt nicht an eurer Branche, sondern an eurem Alltag.
Wenn du ein kleines Team hast und hauptsächlich kommunikative Touchpoints baust – Website, Social, Kampagnen, vielleicht ein Newsletter – dann bringt ein gutes Markenhandbuch oft zuerst den größten Effekt. Weil es sofort verhindert, dass jede neue Seite „nach Gefühl“ entsteht. Du gewinnst Klarheit in Sprache, Bildwelt und Grundgestaltung.
Wenn du dagegen ein digitales Produkt baust, das regelmäßig erweitert wird, dann ist ein Designsystem früher relevant. Nicht, weil es „professioneller“ wirkt, sondern weil es die Wiederholung organisiert. Die Einsparung zeigt sich nicht nur in Designstunden, sondern in weniger Abstimmungen, weniger QA-Schleifen, weniger „Warum ist das hier anders?“-Tickets.
Wir nutzen in der Beratung gern eine schnelle Entscheidungsfrage, die überraschend gut funktioniert: Wo verliert ihr aktuell mehr Energie – in Diskussionen oder in Wiederholung?
Wenn Diskussionen dominieren („Wie klingt das?“, „Was passt zu uns?“), fehlt Markenführung.
Wenn Wiederholung dominiert („Könnt ihr das noch mal exakt so bauen?“), fehlt Systemführung.
Ein Punkt, der 2026 für viele Teams stärker geworden ist: Barrierefreiheit. Wenn du ohnehin UI anfassen musst, um Kontraste, Fokus-States, semantische Strukturen oder Komponentenverhalten zu verbessern, ist das oft ein guter Moment, Designsystem-Themen mitzuziehen. In vielen Projekten ist Accessibility die Stelle, an der „Regeln“ plötzlich konkret werden – und damit systemfähig.
Und noch ein sehr praktischer Blickwinkel: Budget und Pflegekapazität. Ein Markenhandbuch kann mit weniger laufender Pflege stabil bleiben. Ein Designsystem ist ein lebendes Produkt. Wenn du keine Kapazität hast, es zu pflegen, starte lieber kleiner (Minimum Lovable System) oder beginne mit Tokens und den wichtigsten Komponenten.
Wenn du dich zwischen beidem entscheiden musst, empfehlen wir oft eine Hybrid-Reihenfolge: Erst Markenprinzipien und Tonalität so klar, dass UI-Entscheidungen geführt sind – und dann die systemische Umsetzung dort, wo die meiste Wiederholung passiert.
So gehst du nicht „entweder oder“, sondern baust Schritt für Schritt eine Grundlage, die euch wirklich entlastet.
Die beste Wirkung entsteht, wenn Markenhandbuch und Designsystem sich nicht doppeln, sondern verbinden.
Wir denken dabei gern in einer Kette: Markenprinzipien steuern Tokens, Tokens steuern Komponenten, Komponenten steuern Erlebnisse. Wenn du diese Kette einmal bewusst schließt, wird Konsistenz fast automatisch.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Angenommen, eure Marke steht für Ruhe und Klarheit. Im Markenhandbuch ist das als Prinzip beschrieben, mit Textbeispielen („kurze Sätze, aktive Verben“) und Bildwelt („viel Raum, natürliche Materialien“). Wenn diese Haltung nicht im System landet, wird das UI trotzdem hektisch: zu viele Akzentfarben, zu viele Shadows, zu kleine Abstände.
In einem verbundenen Setup übersetzt du das Prinzip in Systementscheidungen. „Ruhe“ wird zu Spacing-Tokens, zu einer Typo-Skala mit genug Zeilenhöhe, zu reduzierten Component-Varianten. „Klarheit“ wird zu eindeutigen States, zu gut lesbaren Kontrasten, zu konsistenter Microcopy.
Unser praxisbewährter Weg, diese Übersetzung greifbar zu machen, heißt „Brand to Build“. Er besteht aus drei kurzen Schritten, die du auch intern anstoßen kannst:
1) Wähle drei Markenprinzipien, die wirklich leitend sind.
2) Definiere pro Prinzip zwei UI-Konsequenzen, die du im System abbildest (z. B. „Klarheit“ → Fokus-States sind nie optional, Texte sind immer handlungsorientiert).
3) Dokumentiere je Prinzip ein Beispiel-Screen, damit es nicht abstrakt bleibt.
Damit vermeidest du das häufige Problem, dass Markenarbeit „oben“ bleibt und das Designsystem „unten“ ohne Seele läuft.
Und ein Punkt, den wir besonders bei Purpose-orientierten Organisationen wichtig finden: Das Zusammenspiel ist auch eine Frage von Wirkung. Wenn du digital Vertrauen aufbauen willst, muss das Erlebnis konsistent sein. Nicht perfekt. Aber stimmig. Das schafft Orientierung – und Orientierung ist oft die Voraussetzung dafür, dass Menschen handeln: spenden, anmelden, kaufen, mitmachen.
Wenn du Lust hast, kannst du als nächsten Schritt euren Status prüfen: Habt ihr ein Markenhandbuch ohne Systemanschluss oder ein System ohne Markenführung? Die Antwort ist selten „beides perfekt“. Aber sie zeigt dir ziemlich klar, wo du anfangen solltest.
Schreib uns eine Nachricht oder buche direkt ein unverbindliches Erstgespräch – wir freuen uns darauf, dich und dein Projekt kennenzulernen.
Anna Stubbe
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